Motortour "Rund Lübeck"

22. Oktober 2017

Die Saison neigt sich schon wieder dem Ende entgegen, und die Motortour „Rund Lübeck” steht vor der Tür. Liebe TeilnehmerInnen, bitte tragen Sie sich bis zum 15. Oktober in die Liste im Eingangsbereich unserer Messe ein oder melden Sie sich online über die Homepage des SVT an, insbesondere Eigner, deren Boot kein Binnenkennzeichen besitzt. Eine Liste der Boote muss eine Woche vor der Fahrt beim Wasser- und Schifffahrtsamt sowie bei der Wasserschutzpolizei eingereicht werden.

Um 10:00 Uhr wollen wir uns auf dem Breitling sammeln, um zu starten, das Veranstaltungsprogramm wird vorher verteilt.

Nachmittags gemeinsames Kuchenbuffet, jeder bringt bitte etwas mit.

J. Gerds, Segelwart

Programm der Motortour "Rund Lübeck" zum herunterladen

Beachten Sie bitte die Signale der Hubbrücken. Fahren Sie auf keinen Fall bei einem oder zwei roten Lichtern, wenn nicht zusätzlich weißes Licht darüber gezeigt wird. Beachten Sie die Durchfahrtshöhen und den Wasserstand, insbesondere wenn Sie die Brücken ohne Hebung durchfahren wollen.

Achten Sie bitte auch auf die übrigen Signale auf der Untertrave, z.B. die Signalanlagen am Herrendurchstich, der Eric-Warburg-Brücke und ggf. der Drehbrücke.

Bitte behindern Sie auch keine anderen Kleinfahrzeuge auf den Binnenwasserstraßen, z.B. Ruderboote, die mit ihren Riemen eine beachtliche Breite erreichen. Vorsicht beim Überholen und rücksichtsvoll fahren! Die anderen Wassersportler werden es Ihnen danken. Höchstgeschwindigkeit auf der Kanaltrave und der Obertrave lt. Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung 10 km/h (5,4 Knoten) gegenüber dem Ufer bzw. nach Beschilderung, z.B. Stadtgraben 6 km/h (3,2 kn). Beim Liegen im Pulk an der Puppenbrücke die durchgehende Schifffahrt nicht behindern!

Rückblick Motortour "Rund Lübeck"

20. Oktober 2013

„Ist das eine Schiffs-Demo?“

von Wolfgang Heger

fragt uns ein freundlicher Passant, als wir mit der SITA an der Puppenbrücke anlegen. „Mitnichten“, antworten wir lachend, „unser Vorsitzender ist in Ordnung, das Wetter auch und gleich steht dort ein großes Kuchenbuffet – es gibt also nichts zu demonstrieren, im Gegenteil, wir freuen uns alle und genießen den Tag“.

Dann erklären wir dem freundlichen Herrn und seiner Begleitung unsere „Motortour rund Lübeck“: Wir sind ein „See-Segelverein“, der normalerweise nicht die Binnengewässer befahren kann. Alljährlich aber, wenn die Masten unserer Schiffe gelegt sind, nutzen wir die Gelegenheit zu einer „Motortour rund Lübeck“ und gönnen uns das, wofür Lübeck-Touristen im Sommer viel Geld bezahlen – nämlich einmal auf dem Wasserwege die Stadt zu umrunden und dabei ihre Ansichten aus den verschiedensten Blickwinkeln zu genießen.

So geht es nach sechs Seemeilen Anmarsch (unser Verein liegt immerhin an der Herreninsel auf halbem Wege nach Travemünde) durch die Hubbrücke zum Klughafen. Man soll es nicht glauben, aber manche Segelyacht ist mit ihrem Spritzverdeck fast so hoch wie ein Flussschiff, das normalerweise hier verkehrt. Dann durchläuft die ganze Flotte des Vereins den Klughafen, vorbei am Theater- und zwei Restaurantschiffen auf der Steuerbord- und mittlerweile recht schicken Wohnanlagen auf der Backbordseite. Aufgereiht wie auf einer Perlenschnur ziehen unsere Schiffe dann weiter durch den goldgelben Blätterdom der Kanaltrave, aus dem immer wieder der eine oder andere Turm der Lübecker Kirchen mit stets neuer Perspektive hervor lugt.

Auf den Wallanlagen Sonntagsspaziergänger, auf dem Wasser wir und hin und wieder auch ein sportlich vorbeiziehender Vierer von einem der örtlichen Lübecker Rudervereine. Dann weitet sich die Landschaft wieder und gibt den Blick frei auf eine breite Wasserfläche mit einer einsamen grünen Tonne. Wohin nun? Nach allen Seiten zweigen Wasserstraßen, Kanäle oder Gräben ab, die die Wallanlagen umspülen. Wir entscheiden uns für „geradeaus“ und biegen erst später nach Steuerbord ab, wo der Weg an der Kanaltrave über eine kleine Fußgängerbrücke führt. Dahinter liegt eine völlig andere, aber recht idyllische Welt. Stehen an der Backbordseite schon die Boote der „Lachswehr-Wasserfahrer“ unter Planen an Land, so drängt sich an Steuerbord eine Kleingärtnerparzelle an die andere, viele davon mit eigenem Steg und bereitliegendem Ruderboot. Sogar eine Minifähre (Marke „Eigenbau“) entdeckt unser Skipper, und sein Schiffbauerherz schlägt gleich ein paar Takte höher… Neben dem Vereinsheim der „Lachswehr Wasserfahrer“ schließlich staut sich die kleine Flotte – warum das denn? Nun, wie die Igel bei der Liebe unterfahren alle Schiffe die niedrige Brücke – gaaanz vorsichtig! Dieses Mal ist das eigentlich gar nicht nötig, denn der Wasserstand ist doch deutlicher niedriger als sonst. Zum Abschluss noch eine große Biege um den mächtigen Wald herum, dann liegt er vor uns, unser Treffpunkt: Die Puppenbrücke. Gut 30 Schiffe sind es, die sich hier in Päckchen aneinander kuscheln, einschließlich unserer „Berkenthin-Fahrer“. Das sind jene Yachten, die bereits gestern ausgelaufen sind, und deren Crews den Abend im Meyers Gasthof an der Schleuse verbracht haben und nun zu uns gestoßen sind.

Nun, der Rest ist schnell erzählt.

Kein Kind fällt ins Wasser, kein Skipper klemmt sich den Daumen, kein Hund wird gesucht – „mein Gott, wie langweilig“, denkt sich der Chronist, „worüber soll ich denn überhaupt schreiben?“ Bekanntlich sind es ja immer nur die Sensationen, die die Presse für berichtenswert hält.

In dieser Hinsicht aber ist der Chronist nur doch kein echter „Pressemensch“: Er freut sich vielmehr über die Crews, die mit ihren Gästen schwatzend auf den Booten sitzen oder sich am reichhaltigen Kuchenbuffet laben, für das unsere Damen wieder einmal ein dickes Lob verdienen (!), und denkt sich: So sollte Vereinsleben sein! Leider sind wir heute weniger als sonst bei der Motortour. Aber die eigentlich vorhergesagten Regenschauer haben sicher so manchen abgeschreckt. Nun sind sie doch nicht gekommen; im Gegenteil, es ist für die Jahreszeit ungewöhnlich warm, und sogar die Sonne schafft es, den Grauschleier am Himmel wenigstens etwas zu lüften und den Blick auf ein blaues Stück Himmel freizugeben.

Nach und nach legen die Crews ab und streben dem schönsten Teil Lübecks zu, dem Malerwinkel an der Obertrave. Aus dem niedrigen Bogen der Wallbrücke, die es zu unterfahren gilt, wächst majestätisch der Dom mit seinen beiden Türmen empor, während wir nach Backbord in die Obertrave abbiegen. Nun liegen sie zu beiden Seiten unseres Weges: Die malerischen Altstadthäuschen und die Musikhochschule mit ihren imposanten Gebäuden an Steuerbord und die historischen Salzspeicher an Backbord, bevor es unter der Holstentorbrücke hindurch geht. Wird es die Sprayhood schaffen und heil darunter her kommen, oder muss sie dieses Mal ´runter? Sie schafft es. Uns eröffnen sich neue Blicke: An Backbord das Senator-Hotel und letzte Ausflugsschiffe, an Steuerbord die Flotte der Traditionssegler. Dann kommt das letzte, entscheidende Hindernis: Die Drehbrücke. Sie ist unzweifelhaft die niedrigste von allen und hat so manches unserer „XXL“-Schiffe im letzten Moment noch zur Umkehr gezwungen. Dieses Mal aber, bei dem niedrigen Wasserstand, geht alles glatt.

Zum Abschluss grüßt von den Media-Docks noch das leuchtendrote Feuerschiff, dann geht die Vereinsflotte, inzwischen schon weit auseinander gezogen, auf Heimatkurs, den letzten Meilen dieser Saison. Noch ein Blick auf das wogende Schilfmeer des Schellbruchs an Steuerbord, dann schälen sich auch schon die langen Hallen des neuen IKEA-Einkaufszentrums an Backbord aus dem noch dominierenden Grün. Sogar der Name steht schon darauf. Im Frühjahr 2014 soll Eröffnung sein.

Während sich an Steuerbord die Einfahrt zum malerischen Fischerdorf Gothmund im Schilf fast versteckt, streben wir der Enge zu, über die sich einst die Herrenbrücke spannte. Jetzt liegt darunter ein Tunnel, durch den sich gerade die Teilnehmer des diesjährigen Marathonlaufs nach Lübeck quälen. Das flache Wasser um die Herreninsel, heute mit besonders niedrigem Stand, zwingt uns zu einer großen „Achtungskurve“. Dann begrüßt uns die Kardinaltonne „Stau Nord“ in unseren heimatlichen Gewässern und signalisiert für dieses Jahr unwiderruflich: „Diese Saison ist zu Ende!“

Schade, denkt sich der Chronist und dankt seinem Skipper Harald, der seine SITA an diesem Tag als „Presseschiff“ zur Verfügung gestellt hat.